Gruppenpsychotherapie
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Ein spezielles Verfahren psychoanalytisch orientierter Gruppenpsychotherapie heißt Gruppenanalyse von Siegmund Heinrich Fuchs. Seit Fuchs 1933 vor den Nazis flüchtete und nach Großbritannien kam, änderte er 1938 zuerst die Staatsbürgerschaft in eine britische und dann seinen Namen in Siegmund H. Foulkes.
Foulkes bekam Einfluss von der Psychoanalyse und der Gestaltpsychologie (durch Kurt Goldstein) und auch von der Soziologie. Der Soziologe Norbert Elias war einer seiner engsten Freunde. Die Psychoanalytiker T. Burrow, E.J. Anthony, W. Bion und John Rickman waren ebenfalls sehr wichtige Größen.
Vorzugsweise befasste sich Foulkes mit der Gruppenanalytischen Psychotherapie, doch der Terminus Gruppenanalyse ist bis heute geblieben. Im Militärkrankenhaus Northfild der vierziger Jahre erarbeitete Foulkes sein Konzept von der Gruppenbehandlung, wobei auch John Rickman und Wilfred Bion beteiligt waren. Die Gruppenanalyse war für Foulkes ein Verfahren zur Erforschung von Gruppenprozessen. Die Gruppe war für ihn primär ein Abbild der Gesellschaft mit ihren Widersprüchen, Besonderheiten und Konflikten. Die psychischen Störungen des Einzelnen nannte er das Ergebnis fehlgelaufener zwischenmenschlicher und sozialer Austauschprozesse. Also sind psychische Störungen des Einzelnen nur im Zusammenhang seiner sozialen Entwicklung und Umgebung vollständig nachvollziehbar. Eine Heilung, so Foulkes, gibt es nur, wenn die sozialen Bedingungen mit einbezogen werden, was in der psychotherapeutischen Gruppe am besten funktioniert. Die Gruppe war für ihn ein laufend wechselnder Prozess eines jeden Gruppenteilnehmers mit gegenseitiger Wirkung aufeinander, den Gruppenleiter mit einbezogen. Dies nannte Foulkes Gruppenmatrix.


Für Raoul Schindler dagegen ist die Gruppe ein Zusammenschluss von Individuen unter Berücksichtigung auf ein gemeinsames Ziel, die Bekämpfung des Gegners. Dabei erwähnte er eine Ranghierarchie in der Gruppe, wo jeder eine spezielle Rolle oder Position bekleidet. Die Summe daraus lässt eine soziodynamische Grundformel entstehen. Die Alpha-, Beta-, Gamma- und Omega-Positionen beeinflussen das Ich (Reaktionsbildung, Ich-Schonung, Ich-Schwächung, Ich-Stärkung), vor allem auf die Gruppenposition bezogen. Durch die wechselhafte Position, die der Therapeut einnehmen kann, besteht die Möglichkeit, das Gruppengeschehen entsprechend zu verändern. Es ist ein Interaktionsmodell des Gruppengeschehens, welches aber die intrapsychische Ebene ausschließt. Deutlich wird in der Gruppenpsychoanalyse die Verbindung von Kollektiv und Individuum. Intra-psychische und von der Gruppe wirksame Phänomene (Übertragung, Widerstand, Regression usw.) lassen durch die Analyse die unbewussten hinderlichen Problemmuster den Gruppenmitgliedern bewusst werden.

Wilfried Bion dagegen nutzt nicht nur die Arbeitsgruppe, die die bewussten Ziele der Gruppe auf relativ hohem intellektuellem Niveau und ausgeprägter Kooperationsgemeinschaft erarbeitet, sondern auch eine regressive Ebene des Gruppengeschehens, welche den Anforderungen der Gruppenarbeit entgegenwirkt und von Grundeinstellungen geführt wird. Für ihn sind das die emotionalen Bestrebungen, die das Leben der Gruppe gewährleisten. Seine so genannten Grundeinstellungen bestehen aus Abhängigkeit (vom Führer der Gruppe werden passive Erwartungen von Nahrung und Sicherheit erhofft), Paarbildung (Fortbestand durch sexuelle Vereinigung, Geburt lässt in Fantasie Führer entstehen) sowie Kampf und Flucht (ein innerer oder äußerer Feind wird von der Gruppe bekämpft, damit der Bestand sicher ist, bzw. meidet Bedrohung). Wichtig ist dann die Interpretation der auf den Therapeuten gerichteten projektiven Identifikationen. So unterstützt Bion die Regression der Gruppe auf die Ebene der Grundeinstellung, mit Hilfe der Deutungsweise auf frühkindlicher Ebene und der Ansicht, dass die Gruppe ein Ganzes ist.

Walter Schindler setzt voraus, dass die Mitglieder im Gruppenprozess die Primärgruppe der eigenen Familie sehen. Der autoritäre Leiter übernimmt in dem Fall die Vaterfigur und die Gesamtgruppe ist die Mutter. Das Individuum mit seiner individuellen Lebensgeschichte wird in der Gruppe im Rahmen der komplexen Übertragung analysiert. So wird die Gruppe zusammengehalten und ein Wir-Gefühl entwickelt sich. Die Autorität des Leiters wird im Laufe des Gruppenprozesses zugunsten der demokratischen Teamarbeit aufgehoben.