Affekttheorie (Grundlagen der psychoanalytischen
Theorie)
Freuds wichtigstes Affektmodell der Angst nimmt in jeder Pathologie
eine Schlüsselstellung ein. In erster Linie wurde der Affekt
im traumatischen Geschehen erkundet, wo, laut Freud, der durch das
Trauma freigesetzte und in seiner Abfuhr blockierte Affekt die Symptome
hervorruft. Dass der Angstaffekt auch nach einem Konflikt zwischen
der nach Befriedigung drängenden Libido und deren Hemmung entstehen
kann, wurde später erst vermutet und ergänzt.
Auch das Instanzenmodell veränderte die Theorie der Signalangst,
also die Affekttheorie. Der adaptive Wert des Affekts als Signal
an das Ich wird an die Oberfläche gebracht. Die drohende innere
(Trieb) oder äußere (Trauma) Gefahr wird mit Hilfe der
Abwehrmechanismen verhindert. Weitere differenzielle Affekte, wie
Traurigkeit, Wut, Ekel oder Schuld wurden mit dem Signalaspekt des
Affektes in der Ichpsychologie erweitert. Untersucht wurde auch
das Verhältnis von Affekt und Vorstellung, welches dem Patienten
nicht bewusst ist, aber ätiologisch relevant für psychische
und psychosomatische Symptombildungen.
Die interaktive Funktion der Affekte wurde durch die Objektbeziehungstheorie
hervorgehoben. Affekte sind ebenfalls bedeutend in der Regulation
von Subjekt-Objekt-Interaktionen und der Anbahnung interpersoneller
Beziehungen. Komponentenmodelle der Affektivität, die relativ
ganzheitliche Affektgeschehen aus Bestandteilen zusammensetzt, werden
heute bevorzugt. Sie bilden sich nicht ontogenetisch synchron und
sind in vielerlei Hinsicht störanfällig.
Eine phylogentisch ältere und ganzheitliche Bewertung unserer
Erlebnisse sind Affekte mit höherer Geschwindigkeit als rationale
Denkprozesse. Eine besondere Form der Mitteilung im Rahmen psychischer
Regulationsprozesse, wie z.B. Triebansprüche, Werte oder zwischenmenschliche
Beziehungen.
Affekte sind wie eine Art Interface zu sehen, das die psychische
Ebene mit der biologischen und der sozialen Ebene verknüpft.
Dies ist der Hauptgrund der Zentralstellung der Affekttheorie in
der gesamten psychoanalytischen Theorie und Therapie. Zwischen dem
Affekt und der Kognition ist eine enge wechselseitige Verbindung,
die zur weiten Aufnahme Piagets Ideen führte und zur Verknüpfung
beider (Ulrich Moser). Affekte beeinflussen den Rechtsverkehr, wenn
es zur Einschränkung der handelnden Person und ihrer Geschäfts-,
Delikts- oder Schuldfähigkeit kommt. Grundsätzlich gibt
es im Affektfall allerdings keinen Ausschluß zur Teilnahme
am Rechtsverkehr.