Neopsychoanalyse und Interpersonelle Psychoanalyse
Eine Weiterentwicklung von Freuds Psychoanalyse ist die Neopsychoanalyse.
Sie kommt näher an die Individualpsychologie und beinhaltet
Konzepte von Alfred Adler. Die Neo-Psychoanalytiker besitzen ihre
eigenen Theorien, Konzepte und Stufenmodelle, die sich von bestimmten
Grundideen Freuds entfernen. Der Pessimismus über die therapeutische
Wirksamkeit der Psychoanalyse stieg in den zwanziger Jahren an und
führte zu einem Umdenken über die psychoanalytischen Behandlungsmethoden.
Die Kulturvergleiche waren in den USA ein Grund für das Integrieren
gesellschaftlicher und kultureller Aspekte bei der Behandlung psychischer
Störungen.
Vertreter der Neopsychoanalyse:
Der Psychologe und Psychoanalytiker Erik H. Erikson (1902-1994)
arbeitete und forschte hauptsächlich in der Kinderpsychologie.
Von ihm stammt das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung.
Der Soziologe und Psychoanalytiker Erich Fromm (1900-1980) positionierte
die Wechselwirkung von Gesellschaft und Individuum in den gesellschaftlich-ökonomischen
Rahmen. Daraufhin wird der typische Sozialcharakter der jeweils
entsprechenden Gesellschaft deduziert.
Die Psychotherapeutin Karen Horney (1885-1952) baute Erkenntnisse
der Kulturanthropologie und der Soziologie mit ein und informierte
über den soziokulturellen Einfluss bei der Entstehung von Neurosen.
Der Arzt und Psychotherapeut Schultz-Hencke (1892-1953) befasste
sich intensiv mit Fragen wie Hemmung und Antrieb und mit der Interpretation
von Träumen und der Therapie von Psychosen.
Der Psychiater Harry Stack Sullivan (1892-1949) behandelte schon
1925 psychotische Patienten und akzentuierte den kulturellen Faktor
und den interpersonalen Bezug bei der Persönlichkeitswerdung.
Die Psychotherapeutin und Ärztin Clara Thompson (1893-1958),
Begründerin des William-Alanson-White-Instituts in New York,
propagierte die neopsychoanalytische Bewegung mit vielen Publikationen
und Vorträgen.