Die Vielzahl an Vorstellungen über einen selbst und seine Beziehung
zur Umwelt wird Selbst genannt und lenken das Ich bei der Selbstverwirklichung.
Das Ich richtet sich, unter Berücksichtigung der eigenen psychischen
Möglichkeiten und Fähigkeiten, nach den denkbaren und
tatsächlichen Gegebenheiten der Kultur- und Naturwelt. Selbsterkenntnis
ist die Aneignung von Wissen über die eigenen psychischen Fähigkeiten
und Möglichkeiten und Realitäten. Voraussetzung für
eine glückliche Selbstverwirklichung ist die Selbsterkenntnis.
Was ist Glück? Jemand erhält etwas unerwartet Positives,
das Gefühl des Wohlbefindens oder ein gelungenes Leben.
Da das Ich eine Vermittlungs-Funktion zwischen dem Es und dem Über-Ich
hat, braucht das Ich realitätsgerechte Vorstellungen (Selbst,
Selbstrepräsentanzen). Der Mensch erhält seine Selbstdefinition
aus den Selbstrepräsentanzen, seine so genannte psycho-soziale
Identität.
Das Ich und das Selbst sind unterschiedlicher Natur. Das Ich des
Wahrnehmens, Denkens und des Gedächtnisses ist in der Lage
zu reflektieren und selbstkritisch zu sein, was dem Selbst wiederum
nicht möglich ist.
Werden die Grenzen des Selbst hinreichend realistisch aufgenommen
und vom Bewusstsein reflektiert, dann sind die Selbstrepräsentanzen
vom Ich kritisch erfasst und geformt worden. Voraussetzung für
eine realistische Wahrnehmung ist die Selbsterkenntnis, die meist
schmerzhaft und demütigend ist. Diese Erkenntnisse zeigen die
realen Grenzen des Selbst auf.
Der Mensch sieht sich gern bedeutender, ungefährdeter, sicherer
usw. als er wirklich ist. Dies wird Narzissmus genannt. Jeder erwachsene
Mensch braucht ein realistisches Bild von sich, das der Realität
möglichst nahe ist. Er sollte sich lieben, so wie er eben ist
und sich weder über- noch unterbewerten. Automatisch lenkt
der Neugierdrang, Bestätigungs-Drang und der psychosomatische
Bewegungsdrang zur Erprobung, zur Problemlösung und Behauptung
hin. Die Handlungsansprüche und Handlungsimpulse aus dem Es,
dem Über-Ich und der sozialen Umwelt werden vom Ich kritisch
und auch selbstkritisch kontrolliert und handlungsleitend realisiert.
Das ichfunktionale Gewissen hat den Anspruch: "Werde, der du
bist".
Die Kompromissbildung ist ein Vorgang, der das Selbst herausbildet.
Ziel ist die Findung eines stabilen Selbst. Steht der Mensch vor
einem unauslotbaren Abgrund, so entsteht eine Sinnkrise.