Mit Hilfe der willkürlichen und bewussten An- und Entspannung
spezieller Muskelgruppen wird ein Zustand tiefer Entspannung im
ganzen Körper erlangt. Das Verfahren nach Edmund Jacobsen wird
Progressive Muskelentspannung genannt. Die Muskelpartien werden
nacheinander in einer speziellen Reihenfolge angespannt. Die Spannung
wird kurze Zeit gehalten und dann wieder gelöst. Dabei konzentriert
sich die entsprechende Person auf den Wechsel von Anspannung und
Entspannung, sowie auf die Empfindungen, die bei den verschiedenen
Zuständen auftreten.
Durch die bessere Körperwahrnehmung verringert sich die Muskelspannung.
Mit regelmäßiger Übung kann die muskuläre Entspannung
dann jederzeit aufgebaut werden. Körperliche Unruhe oder Erregung,
wie Schwitzen, Herzklopfen oder Zittern, können so verringert
werden. Muskelverspannungen können aufgedeckt und gelockert
werden, somit vermindert sich der Schmerz.
Beginn:
Eine Übungseinheit dauert entweder ca. 3 bis 4 Minuten oder
ca. 20 bis 30 Minuten und erfolgt im Sitzen oder im Liegen. Störquellen
müssen möglichst gemieden werden. Die Kleidung sollte
bequem sein und auch Brillen, Uhren oder ähnliches sollten
besser abgelegt werden. Der Übungsraum besitzt idealerweise
eine angenehme Temperatur. Die Augen sollten wenn möglich geschlossen
sein, dann gelingt die Entspannung leichter. Die Atmung wird in
der Entspannung automatisch ruhiger und tiefer.
Ablauf:
Folgende Muskelpartien werden der Reihe nach angespannt und wieder
entspannt: rechte Hand, rechter Unterarm, rechter Oberarm, linke
Hand, linker Unterarm, linker Oberarm, Stirn, Augenpartie, Nase,
Mundpartie/Unterkiefer, Nacken, Schultern, Rücken, Bauch, rechter
Fuß, rechter Unterschenkel, rechter Oberschenkel, linker Fuß,
linker Unterschenkel, linker Oberschenkel.
Die Dauer der Anspannung sollte nur bei höchstens 5 bis 7 Sekunden
liegen, da ansonsten Muskelverkrampfungen auftreten können.
Die Entspannung sollte dann etwa 20 bis 30 Sekunden (mindestens
10 Sekunden) wirken. Die Empfindungen sollten dabei unbedingt beobachtet
werden. Ein besseres Körperbewusstsein tritt durch das bewusste
Anspannen und Lockerlassen ein. Die Durchblutung der Muskeln funktioniert
besser und sorgt für ein Wärmegefühl im Körper.
Der erreichbare Entspannungszustand ist nicht immer gleich tief.
Auch Störungen in Form von negativen Gedanken werden einfach
vorbeigelassen. Die Gedanken kommen und gehen.
Schmerzende Muskelpartien dürfen nicht mit in die Übung
einbezogen werden. Sie können die Muskeln über eine passive
Vorstellung gedanklich anspannen.
Zum Schluss:
Der Entspannungszustand ist angenehm und kann auch einige Minuten
andauern. Abschließend wird der Körper gestreckt und
geräkelt, sowie die Augen geöffnet. Die Qualität
der Übungen erhöht sich (vor allem bei PRM) durch die
passive Ansteuerung der einzelnen Muskelpartien, indem die Frage
gestellt wird: Sind die Muskeln wirklich entspannt?
Anwendung:
Bei Verhaltenstherapien, wie Behandlung von Angststörungen,
bei Hypertonie, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Stress.
Die Übungen sollten im Ganzen nie länger als 20 bis 25
Minuten andauern, da sonst die Konzentration nachlässt.