Das Token-System kommt
aus dem englischen von Token Economies und heißt Münz-Eintausch/Verstärkungssystem.
Dies spiegelt einen Begriff aus der Verhaltenstherapie wieder.
Geeignete Verstärker sind in der Praxis schwer zu bekommen,
die dann auch zeitlich kontingent wirksam auf das gewünschte
Zielverhalten angewendet werden können. Tokens sind in diesem
Fall also generalisierte konditionierte Verstärker. Der Betreffende
bekommt für das erwünschte Verhalten ein Token (Münze,
Murmel), was er später in einen realen Wunsch (Audio-CD) umwandeln
kann.
Anfangs gab es Token-Systeme nur in geschlossenen Institutionen,
wie Heimen oder manchen psychiatrischen Kliniken. Patienten oder
Jugendliche sollten dazu motiviert werden, entsprechende Verhalten
bzw. Aktivitäten durchzuführen, also eine Art Belohnungssystem.
Vor allem bei Kindern mit ADS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen)
sind Verstärkungssysteme mit Token von großer Bedeutung.
Positive Verhaltensweisen, die öfter vorkommen sollen, werden
mit den Kindern oder Jugendlichen abgeklärt und dann durch
Token verstärkt. Tages- oder Wochenpläne helfen dann bei
der schrittweisen Übertragung in die tägliche Routine.
Da jeder seine eigenen individuellen Wünsche und Bedürfnisse
hat, muss das System für jeden Einzelnen separat eingestellt
werden. Bei der Raucherentwöhnung sieht es ähnlich aus.
Jeder Tag ohne Zigarette ist Murmel wert, die in ein gut sichtbares
Gefäß gelegt wird. Ein Tag mit Zigarette heißt
zwei Kugeln entnehmen. Nach 10 gesammelten Murmeln, bekommt man
einen Kinobesuch. Funktionstüchtig ist das System nur, wenn
man ohne 10 Murmeln auch wirklich nicht einfach ins Kino geht.
Die Therapieschritte sehen so aus: Zuerst muss ein genau definiertes
Ziel genannt werden und dazu sehr viele wirksame Verstärker,
die dann festgelegt werden. Dazu gehören, die präzise
Beschreibung des Token und die Angabe ihrer Anzahl, die für
die Verwirklichung des Zielverhaltens höchstens verdient werden
können und wie sie gegeben werden. Wichtig ist auch die Rücksprache
der Verhaltensannäherung im Laufe der Zeit und die entsprechend
parallel verlaufende Token-Verdienst-Änderung.
Ist das Zielverhalten erreicht, muss das Token-Programm ausgeblendet
werden. Bei Einzelklienten besteht selten Schwierigkeit, aber Gruppen-Token-Programme
haben oft an diesem letzten Punkt versagt.
Vorteile:
Flexible Einsetzbarkeit und weit reichende Wirksamkeit, zeitlich
unmittelbare Token-Vergabe, Unabhängigkeit des Verstärkers
von der ausgebenden Person sind Vorteile von Token. Auch zeitlich
nicht unmittelbar ausführbare Verstärker sind für
den Einsatz möglich.
In Token-Programmen können dem Klienten auch umfangreiche Situationen
sichtbar dargestellt werden. Die Vergabe der Token hat einen starken
Informationswert, da sie sich auf das gewünschte Verhalten
beziehen. Die genaue Bezeichnung der Token gibt dem Lehrer, Pflegepersonal
oder Erzieher präzise Handlungsanweisungen, um besser beim
Klienten ansetzten zu können. Zuletzt geht es um die Konsequenz,
sich an Regeln zu halten. Denn Inkonsequentes Verhalten während
des Programms provoziert Fehlschläge.
Grund für ein Scheitern:
Die Klienten (10-20%) reagieren nicht auf Token-Programme. Es besteht
kaum die Möglichkeit, Patienten so auszuwählen, so dass
sich eine homogen behandelbare Gruppe ergibt. Die räumliche
Ausstattung und die Anzahl und Qualität des Personals sind
oft nicht genügend.
Die verantwortlichen Psychologen führen das Token-Programm
oft nur anfangs mit großem Elan und Einsatz, aber kontrollieren
das geschulte Personal später zu wenig und konzentrieren sich
allein aufs managen. Der Psychologe führt kein allmähliches
Ausblenden durch, was das Projekt dann zum scheitern bringt, wie
auch die unterschiedlichen Meinungsäußerungen anderer
Ärzte, die das Programm nicht voll unterstützen. Genauso
verhält es sich mit der Familie und Verwandtschaft, die dann
außer der Reihe Belohnungen mitbringen und das Token-Programm
so für überflüssig erklären.