Soziale Kompetenzen werden heutzutage als Schlüsselqualifikation
angesehen und haben eine entscheidende Bedeutung für den Berufserfolg.
Gerade Wirtschaftsunternehmen beschäftigen lieber sozial kompetente
Bewerber, die teamfähig sind. Einer der gefragtesten Formen
der Personalauswahlmethode ist das Assessment Center (AC).
Das Sozialverhalten ist hauptsächlich gelerntes Verhalten durch
die Beeinflussung der Personen im Umfeld des Babys, Kleinkindes,
bzw. Schulkindes. Bei den umfangreichen Lernprozessen kann es durchaus
zu sozial inkompetenten Verhaltensweisen kommen. Menschen sind dann
selbstunsicher im Umgang mit Arbeitskollegen, Vorgesetzten, dem
Ehepartner, Freunden oder Verwandten. Auch erhöhte Angst kann
entstehen, die dann zur Vermeidung von sozialen Situationen führen.
In speziellen Trainings, werden diese Angsteinflößenden
Unsicherheiten erzählt, fehlende soziale Fertigkeiten erfasst
und sozial kompetente Verhaltensweisen erlernt.
Sozialen Kompetenzen werden grob in vier Kategorien eingeteilt.
Dabei handelt es sich um die Fähigkeit, nein zu sagen, die
Fähigkeit, Wünsche, Bitten und Forderungen kundzutun,
die Fähigkeit, positive und negative Gefühle mitzuteilen
und die Fähigkeit, Gespräche in Gang zu bringen.
Sozial kompetentes Verhalten sollte auf jeden Fall von anderen,
nicht sozial kompetenten Verhaltensweisen abgegrenzt werden.
Alberti und Emmons differenzieren zwischen der passiven Person,
der aggressiven Person und der assertiven (selbstsicheren) Person.
Die passive Person wird meist ausgenutzt und ist vielfach unfähig
ihre Rechte durchzusetzen oder die eigenen Ziele zu erlangen. Sie
empfindet Angst, ist frustriert, verletzt und unglücklich.
Diese Person wirkt gehemmt, abweisend und lässt andere für
sich entscheiden.
Die aggressive Person dagegen nutzt meist andere Menschen aus und
tritt deren Rechte mit Füssen. Diese Person verfolgt eigene
Ziele oft auf Kosten anderer. Sie empfindet sich als in die Enge
gedrückt durch die vielen Konflikte, die sie mit anderen hat
und verteidigt sich ständig. Dadurch ist sie meist jähzornig
und vermittelt den Eindruck verärgert, feindselig und unberechenbar
zu sein.
Die assertive (selbstsichere) Person behütet ihre eigenen Rechte
und zeigt Respekt gegenüber den Rechten anderer. So kann diese
Person auf lange Zeit hin ihre persönlichen Zielvorgaben erlangen.
Sie hat meist ein gutes Selbstwertgefühl, ein vernünftiges
Selbstvertrauen, kann sich auf der sozialen und emotionalen Ebene
korrekt äußern und trifft selbständig Entscheidungen.
Soziale Kompetenz zeigt, dass eine Person über kognitive, emotionale
und motorische Fertigkeiten verfügt und sie anwendet. Dies
ist wiederum in speziellen sozialen Situationen günstig für
ein langfristig günstiges Verhältnis von positiven und
negativen Konsequenzen für den Handelnden.
Eine sozial kompetente Person besitzt die genannten Fertigkeiten
und muss sie allerdings auch tatsächlich anwenden, um sich
sozial kompetent nennen zu können.
Eine sozial kompetente Person ist fähig, ihre Fertigkeiten
auch zeitlich entsprechend einzusetzen. Bedeutende soziale Fertigkeiten
sind nichtsprachliche Fertigkeiten, wie der angemessene Einsatz
von Blickkontakt, Lautstärke beim Sprechen, Mimik und Gestik.
Eine sozial kompetente Person hat nicht immer Erfolg, aber auf lange
Zeit hin mehr Erfolge als Misserfolge. Sozial inkompetente Personen
können sehr wohl kurzfristig mehr Erfolg haben, aber nicht
auf lange Sicht hin.
Wer sollte an Trainings Sozialer Kompetenzen teilnehmen?
Das Training ist an jeden gerichtet. Das Sozialverhalten der Teilnehmenden
wird verändert. Die konstruktive Arbeit an den individuellen
Schwierigkeiten und Problemen in sozialen Situationen ist Ziel dieses
Trainings, das durchaus auch für psychisch Gesunde geeignet
ist.
Wie laufen Trainings Sozialer Kompetenzen ab?
Trainings Sozialer Kompetenzen finden in Gruppen statt (Rollenspiel).
Trainings Sozialer Kompetenzen variieren z.B. im konkreten Ablauf.
Daher wird im Anschluß nur der Ablauf eines speziellen Trainings,
des Personal Effectiveness Trainings von Liberman und Kollegen grob
angerissen. Ansonsten gibt es in Deutschland noch das Assertiveness
Training Programme (ATP) von Ullrich de Muynck & Ullrich und
das Gruppentraining Sozialer Kompetenzen (GSK) von Hinsch und Pfingsten,
die im Prinzip ähnlich.
Die Teilnehmer erhalten die Möglichkeit des effektiven Umgangs
mit anderen Personen, wie Freunde, Familie, Vorgesetzte, Arbeitskollegen,
Vertreter, Verkäufern usw. Wobei sie problematische soziale
Situationen zusammentragen, zuschauen und lernen, unter Berücksichtigung
von eigenen Gefühle, Gedanken und Bedürfnissen der eigenen
Person und anderer. Langfristig positive Konsequenzen sollten vor
den kurzfristig positiven Konsequenzen stehen.
Individuelle Problemsituationen werden aufgestellt und gemäß
gedanklichem, emotionalem und tatsächlichem Verhalten erörtert.
Mit Hilfe eines Rollenspiels wird die entsprechende Person in die
jeweilige Situation rein versetzt. Dabei wird den defizitären
und exzessiven Verhaltenskomponenten besondere Beachtung geschenkt,
insbesondere den nichtsprachlichen Aspekte, wie die Lautstärke,
das Sprechtempo, die Flüssigkeit des Sprechens und die Modulation
der Stimme, der Blickkontakt, die Körperhaltung, der Einsatz
der Hände und der Gesichtsausdruck. Zum Schluss wird alles
in der Gruppe ausgearbeitet und analysiert. Es werden positive Aspekte
geäußert und Verbesserungsvorschläge gemacht. Durch
einen Modellauf kann der entsprechenden Person ein Beispiel vorgeführt
werden. Dann kann diese Person noch einmal im Rollenspiel üben
und bekommt von der Gruppe positives Feedback. Danach gibt es Übungen
für zu Hause.
Wie wirksam sind Trainings Sozialer Kompetenzen?
Kontrollierte Therapiestudien haben die Wirksamkeit des Trainings
festgestellt. Schwer ist nur die Auswahl der richtigen Technik innerhalb
des Trainings.
Den Teilnehmenden werden z.B. mit Hilfe der Selbstsicherheitspyramide
nahe gelegt, wie über einfache Verhaltensweisen und deren positive
Folgen selbstsichere Verhaltensgewohnheiten aufgebaut werden und
sich auf lange Sicht hin die Selbstsicherheit allgemein erhöht.
Das Training dient zur Bewältigung von problematischen Situationen.
Hilfreich sind auch Vorher-Nachher-Messungen sozialer Fertigkeiten
mit Fragebögen von Ullrich de Muynck & Ullrich.